Frauen- oder Männerteich?! Vor- und Nachteile

Oft hört man von Koibesitzern, dass sie ihre Fische nach Geschlechtern getrennt halten, beziehungsweise beim Kauf darauf achten entweder nur Männchen oder Weibchen zu kaufen. Auch wir überlegen zukünftig nach Geschlechtern zu trennen. Einer der Hauptgründe hierfür, ist dass wir Inzucht befürchten, da wir momentan eigene Nachzuchten und die Mutter im Teich haben.

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Unsere porentielle „Gefahrenquelle“: Mutter (oben) und Kind (unten)

Ein Grund für das Trennen von den Geschlechtern kann also eine Vermeidung von Inzucht durch Verhinderung der (zufälligen) Verpaarung sein. Zusätzlich geht es bei der Paarung im Teich schon mal hoch her. Jeder dessen Koi einmal gelaicht haben, weiß wie viel Krawall dabei entstehen kann. Durch getrennte Teiche kann man so zum Beispiel auch vermeiden, dass sich die Tiere verletzen (3). Zusätzlich geht mit dem Ablaichen eine Verschlechterung der Wasserwerte einher. Wer also viel beschäftigt ist und gerade in den Sommermonaten nicht immer nach den Fischen schauen kann, kann durch eine Geschlechtertrennung dieses Risiko vermeiden. Man kann auch lesen, dass zum Beispiel ein reiner Männerteich gerade bei geringem Wasservolumen eine gute Lösung sein kann. Den die männlichen Koi bleiben oft kleiner, weißen jedoch oftmals auch schönere und kräftigere Farben auf (3). Recherchiert man nach Inzucht bei Koi findet man diverse Informationen und Meinungen. So steht zum Beispiel im Buch „Koi in den schönsten Wassergärten“, dass erst aber der 5-7 Inzuchtgeneration mit Problemen zu rechnen ist (1). Betrachtet man nun, was das für den eigenen Teich bedeutet, kommt man auf folgendes Ergebnis.  Wenn die Koi zum Beispiel im Frühjahr 2017 ablaichen, sind sie frühestens 2019 geschlechtsreif. Geht man davon aus dass die Fische einmal im Jahr ablaichen, erreicht man theoretisch nach 10 Jahren die fünfte Inzuchtgeneration (wir gehen hier einmal davon aus dass sich hier nur „verwandte“ Fische kreuzen). In einem Blog-Eintrag von Konishi (19.12.2014) wird beschrieben, dass die großen Züchter Zuchtpausen einlegen um Inzucht zu vermeiden (2). Dies erscheint durchaus logisch, da die Koi ja aus Japan stammen und nur dort gezüchtet wird und so zwangsweise immer nähere Verwandtschaftsverhältnisse entstehen.

Neben den Vorteilen von getrennten Teichen gibt es natürlich auch einige Nachteile. Normalerweise bildet sich der Laich bei Weibchen zurück, wenn diese nicht zum ablaichen angetrieben werden. In einigen Fällen geschieht dies jedoch nicht, was dann zu Problemen führen kann. So kann es zu einer Laichverhärtung kommen, die oft tödlich ist. Andere wiederrum sprechen sich für möglichst natürliche Verhältnisse auch in Teichen aus und argumentieren dass Fische in der freien Wildbahn immer zusammen zu finden sind.

Wir selbst hatten auch einen laichbezogenen Krankheitsfall. Eine unserer großen Damen hatte eine Laichkanalentzündung bekommen. Woran dies genau lag, konnte auch unser Tierarzt nur vermuten. Wahrscheinlich hatte der Fisch lange nicht mehr abgelaicht (wir hatten vor der Beheizung des Teiches auf grund der Schattenlage auch im Sommer nur selten entsprechende Temperaturen) und nachdem er dann das letzte Jahr abgelaicht hat, hat sich der Laichkanal entzündet. Unsere Dame  schwoll an und bekam Glotzaugen und abstehende Schuppen. Auf Grund der Optik dachten wir zuerst an Bauchwassersucht. Der Tierarzt stellte dann aber die Diagnose „Laichkanalentzündung“. Der Fisch bekam dann in den Laichkanal eine Salbe und ein Antibiotikum gespritzt. Wir hatten Glück und der Fisch wurde wieder gesund. Die Frage ist jetzt natürlich, ob das Problem auch aufgetraucht wäre, wenn der Teich ein reiner Frauenteich gewesen wäre.

Fasst man also zusammen, gibt es sowohl Gründe für als auch gegen getrennte Teiche. Ich denke wer zum Beispiel im Sommer nicht die nötigen Temperaturen für das Ablaichen erreicht oder den Laich gewissenhaft abfischt, braucht sich keine Sorgen um eine Geschlechtertrennung machen. Wer mehr oder weniger professionell züchten, oder ein bisschen herumprobieren will, sollte sich jedoch bewusst sein, dass die Inzucht-Problematik bei Koi durchaus gegeben ist. Generell ist es aber glaub ich schwer nach mehreren Jahren einen gleichgeschlechtlichen Teich einzuführen, außer man hat genug Platz für einen neuen, zweiten Teich. Denn sonst muss man sich gezwungenermaßen von einigen langgepflegten Lieblingen trennen wenn sie nicht das passende Geschlecht haben. Wir persönlich bauen gerade an einem zweiten Teich, der aber zum Beginn der Saison mit den Fischen aus dem Futterexperiment besetzt werden soll. In ein paar Jahren kann man vielleicht über getrennte Teiche nachdenken, aber im Moment wäre ich nicht bereit mich von Fischen zu trennen um einen reinen Frauen-/Männerteich zu besitzen. Dennoch würden uns natürlich eure Meinungen und Erfahrungen interessieren. Wenn ihr also Tipps oder Anmerkungen habt, schreibt gerne einen Kommentar.

 

 

 

Anmerkung: Die Zahlen im Text beziehen sich auf die untenstehenden Quellen.

(1) Bernhard Teichfischer (2005): Koi in den schönsten Wassergärten.

(2) http://www.konishi-koi.com/kh/index.php?id=4137

(3) Martin Kammerer (2012). Koi-Fibel: Basiswissen für Anfänger.

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